Warum das deutsche Rechenzentrum unerlässlich ist

Entgegen der Kritik, digital immer mehr abgehängt zu sein, ist Deutschland einer der führenden Standorte für Rechenzentren weltweit und wird dieser stark ausgebaut. Denn im Mittelstand und bei Großunternehmen wächst die Nachfrage für Colocation in räumlicher Nähe.

Über die Abhöraffäre ist zwar etwas Gras gewachsen, diese hat aber dazu beigetragen, dass über drei Viertel der deutschen Unternehmen einer Umfrage von KPMG und Bitkom 2016 zufolge Wert darauf legen, dass ihr Cloud-Anbieter Rechenzentren in Deutschland betreiben.

Deutlich wurde das laut einer Studie von dem Verband der Internetwirtschaft eco und dem Borderstep Institut unter anderem dadurch, dass Microsoft seine Cloud-Services Azure und Office 365 in einer Deutschen Cloud mit zwei angemieteten Rechenzentren in der Bundesrepublik gebündelt hat. Die Deutsche Cloud hielt zwar nicht lang, aber stattdessen hat die Gates Company im August 2018 angekündigt, den Bau eigener Rechenzentren in Europa und Deutschland zu forcieren.

Auch große Player zieht es nach Deutschland

Damit reagierte der Softwareriese wie andere große Player auch darauf, dass viele mittelständische und große Unternehmen ihre Daten in Deutschland immer noch besser geschützt sehen als im EU-Ausland oder in den Vereinigten Staaten. Diese haben zwar mit Abstand die meisten Rechenzentren weltweit, aber der USA PATRIOT Act von 2001 und der 2015 folgende Freedom Act erlauben US-Behörden im Zweifel Zugriff auf ihre Serverdaten.

Damit und mit der Gefahr staatlich gelenkter Wirtschaftsspionage, die laut Analysen von Hackerangriffen mehr noch von China und Russland ausgeht, hat den starken Ausbau deutscher Rechenzentrumskapazitäten weiter begünstigt. Die DSGVO ebenso, auch wenn diese einen EU-weiten Angleichung des deutschen Datenschutzniveaus zur Folge hatte, womit eigentlich egal ist, ob das Rechenzentrum sich in Deutschland oder im EU-Ausland befindet. Der eco-Studie zufolge sind die Investitionen in deutsche Rechenzentrumsinfrastruktur jedenfalls zwischen 2014 und 2017 von 750 Millionen auf über eine Milliarde Euro gestiegen.

Colocation boomt rund um den weltgrößten Internetknoten

Eine im Juli 2019 gerade erst veröffentlichte andere Studie von ISG zur Private- und Hybrid-Cloud sowie zu Rechenzentren in Deutschland belegt, dass Colocation stark im Kommen ist und längst über die Region rund um den Internet-Austauschknoten DE-CIX in Frankfurt am Main hinausgeht. Man kann sogar von einem regelrechten Colocation-Boom sprechen. Der DE-CIX (Deutsche Commercial Internet Exchange) in der Hessen-Metropole ist gemessen am Datendurchsatz der größte Internet-Knoten der Welt.

Auf einer Gesamtfläche von 600.000 Quadratmetern bietet die 100-prozentige eco-Tochter laut der ISG-Studie und it-daily.net in der Region um Frankfurt am Main Platz für 65 Rechenzentren von 35 Colocation-Anbietern, hinzu kämen 125 weitere Colocation-Rechenzentren in anderen Teilen der Bundesrepublik. Die Internetknoten von DE-CIX rund um Frankfurt sind alle redundant untergebracht und werden von verschiedenen Providern betrieben, allen voran von Weltmarktführer Equinix und Interxion.

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Edge Computing spricht für räumliche Nähe

„Räumliche Nähe zu den Rechenzentren wünschen sich nicht nur Mittelständler, sondern auch viele Großkunden“, wird Barbara Florschütz, ISG-Geschäftsführerin in der DACH-Region, von it-daily.net zitiert. Zudem spielten auch Edge Computing für IoT-Anwendungen eine größere Rolle. Ein entferntes Cloud-Rechenzentrum mit Antwortzeiten von rund 70 Millisekunden könne die nötige Performance nicht bieten.

Die deutschen Rechenzentren sichern der Studie von eco und Borderstep zufolge mehr als 200.000 Arbeitsplätze in Deutschland, davon 130.000 in Vollzeit (2017). Jährlich werden über acht Milliarden Euro in den Bau, in die Modernisierung und die IT der Rechenzentren investiert. Allein im Colocation & Housing waren 2015 schon über 9.000 Menschen in Deutschland beschäftigt. Der Colocation-Umsatz soll bis 2019 von 3,2 auf 5,8 Milliarden Euro stark anwachsen, hat eco 2015 vorhergesagt.

Der deutsche Markt ist stark mittelständische geprägt, aber: „Die Bedeutung des RZ-Standortes tritt für die Digitalisierer in den Hintergrund“, heißt es in der Studie. Während der Anteil eigener Rechenzentren in Europa bis 2020 von 78 auf 54 Prozent zurückgehen soll, gewinnt Colocation immer mehr an Bedeutung. Borderstep ist 2015 davon ausgegangen, dass der Anteil der von eco auch kurz Colo-RZ-Betreiber in Deutschland in dem Zeitraum von 25 auf 45 Prozent ansteigen wird.

Colocation Made in Germany mit Proservia und maincubes

Ein starker Player im deutschen RZ-Markt ist der neue Proservia-Partner maincubes Secure Datacenters. Das Unternehmen unterhält mit FRA01 in Offenbach am Main mit direkter Anbindung zum DE-CIX-Internetknoten in Frankfurt ein hochmodernes, leistungsfähiges Rechenzentrum der neuesten Generation in einem preisgekrönten Gebäude und bietet so RZ-Infrastruktur und-Colocation ‚Made in Germany‘.

Hinzu kommt AMS01 in Amsterdam Schiphol-Rijk, neben Frankfurt einer der führenden Standorte für Datacenter in Europa. Proservia, die IT-Service-Marke des marktführenden Personaldienstleisters ManPowerGroup, kann damit Kunden höchste Rechenleistung für ihre Cloud-Anwendungen zur Verfügung stellen.

Das FRA01 genannte Rechenzentrum von maincubes ist im September 2017 nach nur 16 Monaten Bauzeit eröffnet worden und bietet auf 4.200 qm IT-Fläche eine Gesamtleistung von 11 MW. Das deutsche Rechenzentrum ist nach ISO 27001:2013 und ISO 9001 zertifiziert und erfüllt mit dem TÜV-Level-3 höchste Standards, so auch in punkto DSGVO. Mit der Leistungsdichte von 40 kW pro Rack eignet sich das Datacenter auch für High Performance Computing (HPC).

Quelle Titelbild: iStock / vm