Healthcare in Deutschland

Digital Health – warum Deutschland seinen Platz verteidigen sollte

In Deutschland liegt in Sachen Digital Health noch einiges im Argen. Ein stärkeres Engagement der Politik und vielversprechende neue Technologien stellen aber rosige Zeiten in Aussicht.

Nicht nur die Fußball-WM lief dieses Jahr gar nicht gut für Deutschland. Auch im digitalen Gesundheitswesen gibt es hierzulande erhebliche Defizite, wie die aktuelle Studie „SmartHealthSystems – Digitalisierungsstrategien im internationalen Vergleich“ der Bertelsmann-Stiftung auf über 400 Seiten ausführlich schildert (veröffentlicht November 2018).

Die Autoren fassen die unbefriedigende aktuelle Situation so zusammen: „Während in anderen Ländern die wichtigsten Patientendaten seit mehreren Jahren in elektronischen Akten gespeichert und Rezepte digital übermittelt werden, arbeitet Deutschland noch immer an den Grundlagen der digitalen Vernetzung und tauscht Informationen überwiegend auf Papier aus.“ Auch die Motivation für Fachkräfte, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, scheint aktuell auszubleiben.

Deutschland nach Österreich, Frankreich & Spanien

Das schlägt sich im internationalen Ranking der digitalen Gesundheitssysteme mit Platz 16 von 17 für Deutschland nieder. Damit ist man hierzulande weit abgeschlagen und lediglich Polen steht mit 28,5 Punkten im erstellten Digitalisierungsindex noch schlechter da als Deutschland mit 30,0 Punkten.

Die Top 5 bilden mit jeweils über 70 Punkten Estland, Kanada, Dänemark, Israel und Spanien. Auch unsere deutschsprachigen Nachbarn haben die Situation im Gesundheitswesen besser im Griff als wir. Österreich liegt mit 59,8 Punkten auf Rang 10 und die Schweiz mit 40,6 Punkten auf Platz 14. Die Autoren der Studie bescheinigen auch Frankreich, das mit 31,6 Punkten nur knapp vor Deutschland liegt, schon einige Schritt weiter zu sein.

Zur Situation in Deutschland bemängeln die Autoren:

  • fehlende übergeordnete strategische Orientierung
  • fehlende finanzielle Anreize
  • Mangel an zertifizierten Lösungen
  • zu wenig politische Bestrebungen, das Thema voranzutreiben

Sinnvolle Schritte „made in Germany“

In der Gesamtanalyse des internationalen Vergleichs heißt das: Nicht ein vollständiges System beziehungsweise eine Gesamtarchitektur angehen, sondern bedarfsbezogen, modular und nutzungsbezogen in kleinen Schritten Innovationen mit offenen Datenmodellen und Schnittstellen fördern. Klingt nach einem kompliziertem Fazit, ist es aber tatsächlich nicht. Zwingend notwendig ist die Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren des Gesundheitssystems, in der Regel Versicherungen, Versorger und die IT-Industrie, um sowohl national als auch regional kohärente Lösungen anzubieten.

Eine besondere Schwäche Deutschlands ist, dass im direkten internationalen Vergleich der Wille zur Zusammenarbeit nicht allzu ausgeprägt scheint, insbesondere zwischen den Akteuren der Selbstverwaltung. In zentralen Fragestellungen werden häufig über längere Zeit keine Einigungen erzielt und ein gemeinsames Zielbild fehlt.

Gegenwärtig wird der Diskurs über Digital Health in Deutschland stark von haftungs-und datenschutzrechtlichen Fragestellungen dominiert. Die eigentlichen Chancen der Digitalisierung werden dabei eher in den Hintergrund gedrängt. Immerhin hat die Politik das Problem erkannt und will mit zahlreichen Initiativen in naher Zukunft für eine bessere Digitalisierung sorgen. Was weitestgehend aber noch fehlt, ist ein strategischer Ansatz zur Integration von Fachkräften im Gesundheitswesen.

In den USA werden Patienten mit Virtual Reality behandelt

Während die Situation in Sachen Digital Health in Deutschland also noch unbefriedigend ist, ist man anderswo schon sehr viel weiter. Die Unternehmensberatung Accenture hat in ihrer Studie „Digital Health Tech Vision“ die möglichen Einsatzszenarien für neue Technologien in der Medizin aufgezeigt.

Künstliche Intelligenz (KI) kann so per Algorithmen Ärzten dabei helfen, Verletzungen über ein Smartphone zu diagnostizieren oder das Wohlbefinden von Pflegebedürftigen aus der Ferne zu überwachen. Allerdings sollte beim Einsatz von KI auf Zuverlässigkeit und die Beachtung von Patientenrechten geachtet werden. Wenn dies gewährleistet ist, können die Ergebnisse beeindruckend sein. Ein US-Hospital gibt an, durch KI über 800 überflüssige Visiten eingespart zu haben.

Virtuelle Realität (VR) wird vielerorts bereits eingesetzt, um Kriegstraumata zu behandeln. Patienten werden virtuell an den Ort der Katastrophe zurückversetzt und erleben so noch einmal, was sich bei einer Explosion oder einem Anschlag ereignet hat. So kann die Erfahrung bewältigt werden. Mit dieser Methode sind bereits gute Erfolge erzielt worden. Außerdem können bei komplizierten Operationen auswärtige Spezialisten den behandelnden Ärzten per VR unter die Arme greifen, ohne persönlich anwesend zu sein. Auch die medizinische Ausbildung kann durch VR optimiert werden.

 


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Ein weiterer großer Trend ist die Verifizierung von Daten. Das Gesundheitswesen ist in immer stärkerem Maße datengetrieben, aber es muss sichergestellt sein, dass diese Daten auch verlässlich sind. Hacker versuchen häufig, mit Bot-Attacken Daten zu stehlen oder zu verfälschen. Umfassende Sicherheitsmechanismen müssen bereitstehen, die Manipulation von Daten zu verhindern.

Ein Mechanismus, der die Authentizität von Daten sicherstellen kann, ist Blockchain. Blockchain ist aus Kryptowährungen wie Bitcoin bekannt und hat sich dort einen etwas zweifelhaften Ruf erworben. Die Anwendungsmöglichkeiten gehen aber sehr viel weiter und Blockchain kann helfen, in der Lieferkette Sendungen nachzuverfolgen und dafür sorgen, dass ein Patient das richtige Medikament zur rechten Zeit erhält. Blockchain kann zudem Geldtransaktionen überwachen und sorgt dadurch für höhere finanzielle Sicherheit. In der Bankbranche ist Blockchain bereits etabliert. Die Medizin experimentiert im Moment eher noch damit, aber das Optimierungspotential ist sehr groß.

In Krankenhäusern können wiederum intelligente Umgebungen mit Edge-Architekturen und Cloud-Anbindungen für größere Flexibilität sorgen. Analysewerkzeuge können Daten direkt am Entstehungsort auswerten und so beispielsweise die Tropfgeschwindigkeit von Infusionen automatisch regeln. Hardware- und Software-Roboter können so Patienten überwachen und betreuen.

Kompetenter Wegweiser für das Gesundheitswesen

Proservia kann mit seinem innovativen Konzept der peopleIT dabei helfen, organisatorische Hürden im Gesundheitswesen zu überwinden und den Weg hin zu einer echten Digitalisierung weisen. Mit hoher technologischer Kompetenz zeigt Proservia Möglichkeiten für Optimierung durch den Einsatz neuer Technologien und die Integration von Fachpersonal. Mit einer tiefen Expertise in Compliance sorgt Proservia dafür, dass rechtliche Rahmenbedingungen eingehalten und Patientenrechte stets beachtet werden. So minimiert das Expertenhaus Bedenken der Digitalisierung und kann helfen, dass das deutsche Gesundheitswesen den Anschluss nicht verpasst.

 


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Quelle Titelbild: luchschen / iStock